Wird ein Elternteil, welches keine finanziellen Reserven besitzt, in einem Alters- oder Pflegeheim untergebracht, versucht der Staat unter dem Argument der Verwandtenunterstützungspflicht die Kinder für die Kosten zur Verantwortung zu ziehen. Die Betroffenen stellen sich dann oft die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen dies zulässig ist.

Die Pflicht, Verwandte zu unterstützen, bezieht sich nicht nur auf die Eltern, sondern auf alle Personen, welche in auf- und absteigender Linie (z.B. Kinder, Grosseltern), jedoch nicht in seitlicher Linie (z.B. Geschwister), mit einem verwandt sind.

Um eine Pflicht zur Unterstützung zu begründen, müssen 3 Voraussetzungen erfüllt sein (Art. 328f. ZGB):

1. Der Bedürftige muss sich in einer finanziellen Notlage befinden, was bedeutet, dass er sich seinen notwendigen Lebensunterhalt nicht mehr aus eigener Kraft verschaffen kann.

2. Der Unterstützungspflichtige muss in günstigen Verhältnissen leben. Günstige Verhältnisse werden angenommen, wenn das steuerbare Einkommen bei Alleinstehenden den Betrag von CHF 120‘000 und bei Verheirateten von CHF 180‘000 übersteigt. Wenn der Unterstützungspflichtige minderjährige Kinder hat, die sich noch in Ausbildung befinden, so wird pro Kind zusätzlich ein Betrag von weiteren CHF 20‘000 zum Jahreseinkommen dazugerechnet, der nicht für die Verwandtenunterstützung in Anspruch genommen werden darf. Ein verheiratetes Paar mit zwei schulpflichtigen Kindern muss demzufolge nur bei einem Jahreseinkommen von über CHF 220‘000 Verwandte unterstützen.

3. Die Unterstützung muss zumutbar sein muss. Dies ist beispielsweise zu verneinen, wenn der Unterstützungspflichtige sein selbstbewohntes Haus verkaufen müsste, um zahlungsfähig zu sein oder ein gestörtes Beziehungsverhältnis zwischen dem Unterstützungspflichtigen und dem Bedürftigen besteht.